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Spotify – Revolutionär der Musikindustrie oder Zukunftsmusik?

“Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden” – wie oft mussten wir uns über diese Meldung in den letzten Jahren ärgern, wenn wir ein Lied auf Youtube anhören wollten. Zum Glück gibt es bereits seit einiger Zeit eine kostenlose Alternative, auf die wir zurückgreifen können, wenn wir nicht für jeden Hörgenuss gleich zur Kasse gebeten werden wollen: Spotify! Bereits mehr als 24 Millionen User weltweit nutzen den schwedischen Freemium-Service, über sechs Millionen greifen auf das Premium-Angebot für 10€ im Monat zurück. Da kommt doch schnell die Frage auf, warum die GEMA auf Youtube derart hart durchgreift, Spotify hingegen scheinbar alle Freiheiten lässt?

Interessant ist nämlich, dass zwischen Spotify und der GEMA keine Einigung existiert, das Verhältnis also, ähnlich wie zwischen Youtube und der GEMA, kompliziert und angespannt ist. Nach den neuesten Vereinbarungen mit dem BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien), dem auch Spotify selbst zugehörig ist, müsste der Musikstreaming-Dienst eigentlich für jeden Abonnenten rund einen Euro Gebühr entrichten. Die freien User kämen Spotify noch teurer, greift hier doch ein anderer GEMA-Tarif, der einen Betrag von 0,6 Cent pro abgerufenem Song oder eine Beteiligung von 10,25% an den Werbeeinnahmen vorsieht.

Dennoch zahlte Spotify bisher keinen Cent. Eine Ausnahmeregelung lässt dem Anbieter nämlich die Möglichkeit, alle Gebühren erst rückwirkend zu zahlen, sobald eine Einigung mit der GEMA erzielt wurde. Somit hofft Spotify auf einen besseren Tarif bei späteren Verhandlungen, während der Gebührenzähler mit jedem abgespielten Lied weiter ansteigt. Spätestens 2015 könnte es für den Streamingdienst allerdings heikel werden, da der Regeltarif meistens nach zwei bzw. drei Jahren ergebnislosen Verhandelns durchgesetzt wird.

Darüber hinaus wird auch die Fairness des Musikanbieters immer mehr hinterfragt, ist doch die Vergütung für die Musiker äußerst bescheiden. Rund 0,4 Cent pro abgerufenem Song und 4 Cent für jedes durchgespielte Album sind vor allem für junge, unbekannte Bands jenseits der Größe von Metallica (die mit Spotify einen Exklusiv-Vertrag aushandelten, nachdem sie sich zuvor gegen die Verfügbarkeit ihrer Lieder gewehrt hatten) eine verschwindend geringe Bezahlung.

Quellen zum Thema:

http://blogs.taz.de/popblog/2012/03/15/spotify-gut-bose-oder-was-ist-fair/

http://www.gutefrage.net/video/spotify-account-loeschen

http://www.tagesspiegel.de/interview-mit-spotify-chef-wir-senken-die-piraterie-quote/8555064.html

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